Einmal um die halbe Welt: So funktioniert direkter Kaffeehandel

Green Cup Coffee Single Finca Kaffee

Von ihrem letzten Urlaub brachte mir meine Schwester Annika einen Beutel Kaffee und eine Visitenkarte mit. Selten habe ich mich über ein Souvenir mehr gefreut, denn: Beides stammte von der berühmten Kaffeefinca Casa Ruiz in Boquete, Panama. Dass ich diese Bohnen für Green Cup Coffee haben wollte wusste ich, nachdem ich mir die erste Tasse des Kaffees aufgebrüht hatte und mich Aroma und Geschmack schlichtweg umhauten. Der perfekte Espresso für unseren Shop, dachte ich! Dass es jede Menge Arbeit machen würde, bis dieser Kaffee tatsächlich in unserem Lagerhaus liegt, war mir damals aber noch nicht wirklich klar und so machte ich mich auf zu meinem ersten Kaffee-Direkthandel. Ein Erfahrungsbericht.

Casa Ruiz Panama BoqueteAnnika von Green Cup Coffee bei der Casa Ruiz in Panama

Die Casa Ruiz ist ein Familienunternehmen in dritter Generation, seit einigen Jahren wird sie von Plinio Ruiz geleitet. Sein Bruder Josue wohnt mit Frau und Kindern in Stuttgart, er sollte mein Kontaktmann sein.
Nachdem Annika voller Begeisterung von ihrem Besuch bei der Familie Ruiz berichtet und ich mich von der großartigen Qualität des Kaffees überzeugt hatte – es war September 2011 – wollte ich sofort die ersten Säcke ordern. Ich rief also Josue an, trug ihm mein Anliegen vor und der lachte sich erstmal kaputt. Die Ernte in Panama findet nämlich immer von November bis Januar statt und kurz darauf ist auch schon wieder alles verkauft. Im September panamesischen Rohkaffee zu bekommen, ist also in etwa so, wie an Weihnachten nach Ostereiern zu suchen: Ein ziemlich schwieriges Unterfangen.

Kaffeekirsche am KaffeestrauchSingle Finca Kaffee von der Casa Ruiz

Josue vertröstete mich also auf die kommende Ernte, genauer gesagt auf die Erträge vom Januar (Da Kaffeesträucher während der Erntezeit mehrmals abgeerntet werden, erstreckt sich die Ernte über einen längeren Zeitraum und ist quasi in mehrere Ernte-Abschnitte unterteilt. Im Allgemeinen gilt, dass die Bohnen des ersten Ernte-Abschnitts nicht die beste Qualität haben und man lieber auf die folgenden Ernte-Durchgänge warten sollte.)
Bis dahin würde er versuchen mehrere Abnehmer hier in Deutschland zu akquirieren, um einen gesamten Container vollzukriegen. (In einen Container passen ca. 10 Paletten. Auf jeder Palette finden 10 Sack Platz. In jedem Sack befinden sich 60kg Kaffee. Ein Container fasst also 6000 Kilo Kaffee.)
Josue erwies sich als guter Verkäufer mit ebensolchen Kontakten und im Nu waren weitere Klein-Röstereien gefunden, die sich am Direktimport beteiligen wollten.
Nachdem also das erste Hindernis überwunden war, wurde es gleich wieder spannend: Wir hatten zwar Samples aus der letzten Ernte verkostet, was aber, wenn die Qualität der neuen Ernte nicht ganz so gut ausfallen würde? Wir mussten uns gedulden bis Februar bis Plinio seinem Bruder Josue Samples der Ernte 2012 für alle beteiligten Röster zugeschickt und dieser sie weiter an uns verteilt hatte. Natürlich war die Qualität genauso gut wie erwartet und wir bestellten unsere gewünschte Menge verbindlich. Und jetzt hieß es abwarten! Es war erst Februar und wann die Verschiffung stattfinden sollte, konnte uns zuerst einmal keiner sagen. Mit Terminen oder Lieferfristen gehen die Panamesen nämlich oftmals etwas “gemütlich” um – für einen pünktlichen Deutschen erstmal eine Umstellung!

Kaffeesäcke bei der Casa RuizAnnika von Green Cup Coffee bei der Casa Ruiz

Da unser Kaffeeimport der erste Direkthandel der Finca mit Deutschland war, war das Ganze nicht nur für uns Neuland. Und so dauerte es noch länger als sonst, bis der geeingete Transport via Frachtschiff geplant und alle nötigen Papiere beisammen waren.
Ich nervte Josue also immer wieder mit Anrufen und Emails, bis ich endlich die Info bekam, dass der Kaffee Ende August im Hamburger Hafen eintreffen sollte. Und tatsächlich: am 31.8.2012 – fast ein Jahr nachdem ich das erste Mal Kontakt mit der Casa Ruiz aufgenommen hatte, um Kaffee zu kaufen, kam ebenjener mit dem Frachtschiff in Deutschland an!
Der Zoll prüfte direkt Frachtbrief, Mengenangaben und Inhalt des Containers und gab diesen kurz danach zur Abholung frei. Unser Röster Thomas beauftragte daraufhin seine Haus- und Hofspedition, die den Kaffee in Hamburg abholte und einmal quer durch Deutschland bis nach Murnau brachte. Ja und dort wanderten die ersten Säcke dann direkt in Thomas Röster…schließlich hatten wir lange genug gewartet!

Thomas Eckel röstet für Green Cup Coffee

In Zeiten von Online-Handel und Over-Night-Express-Lieferungen kommt es mir schon verrückt vor wenn ich bedenke, dass es bei diesem Einkauf fast genau ein Jahr Zeit gebraucht hat, bis ich die gewünschte Ware in Händen bzw. in meiner Kaffeetasse hielt. Aber gelohnt hat es sich in jedem Fall! Ihr könnt euch selbst davon überzeugen: Hier geht’s zum Espresso Casa Ruiz.

Espresso von der Casa Ruiz bie Green Cup Coffee

Kommentare

  1. Vetter meint:

    Hallo,

    wir waren gerade zur Besichtigung auf der Finca Ruiz, haben den gut 90 Jahre alten Seniorcheff die Hand geschüttelt und haben natürlich Kaffee mitgenommen.
    Aber ehrlich, warum habt ihr Rohkaffee gekauft und den Kaffee nicht von den Fachleuten vor Ort nach Deutschem Geschmack rösten lassen ? Euer Kaffee kann dann nicht “Ruiz” heißen, denn der Name wird immer nach dem Röster vergeben.
    Gruß
    Karin + Wolfgang

    • annika meint:

      Hallo Karin und Wolfgang,
      toll dass Ihr selbst vor Ort wart! Ich hoffe, Euch hat Boquete genauso beeindruck wie uns!
      Wir lassen Kaffee aus verschiedenen Gründen nicht vor Ort rösten. Der wichtigste Grund ist, weil der Transport des
      Kaffees von Panama nach Deutschland in Containern per Schiff erfolgt und die Reise der Bohnen eine sehr lange ist.
      Bis die Bohnen von Panama über Hamburg bei uns waren, dauerte es 6 Wochen…da ist der Kaffee nicht mehr röstfrisch.
      Und unser Anspruch ist es, nur Kaffee zu verkaufen der spätestens vor 4 Wochen geröstet wurde – damit der Kunde
      das volle Aroma und den vollen Geschmack genießen kann. So wie wir macht es der Großteil der Röster und Kaffeemarken: Man bezieht
      den Rohkaffee und röstet ihn dann erst vor Ort.
      Wir finden, dass nicht nur die Veredelung, also die Röstung zum Geschmacksergebnis des jeweiligen Kaffees beiträg, sondern vor
      allem die Kaffeebohne selbst. Darum geht es bei Green Cup Coffee: Dass jede Kaffeebohne, je nachdem woher sie kommt, wie sie angebaut, geerntet und aufbereitet wurde, anders schmeckt. Und genau darum benennen wir unsere Kaffees nach der Finca auf der sie angebaut wurden – denn sogar Bohnen von der Casa Ruiz schmecken anders als Bohnen von der Hacienda Esmeralda, auch wenn beide Fincas unter Umständen dieselbe Kaffee-Varietät anbauen und gar am selben Ort in Panama angesiedelt sind.
      Viele Grüße,
      Annika

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